29.4.2026

Die Hängebirke

Nach der letzten Eiszeit drang sie, als einzige Holzpflanze, am weitesten in den Norden vor. Für die im Norden lebenden Völker war sie im Alltag sehr wichtig, sowohl als Nutz- wie auch als Brennholz. Zahlreiche Mythen reihen sich um diesen Baum. Die Birke (beth) wurde von den Kelten verehrt. Sie stand für neues Leben und Wachstum. Der 24. Juni und der 24. Dezember, also jeweils drei Tage nach der Sommer- bzw. der Wintersonnenwende, waren wichtige Daten, an welchen die Birke geehrt wurde. Man fegte zum Beispiel den Geist des alten Jahres mit Birkenreisig aus dem Haus.

Die Germanen steckten ihre Grenzen und Rechtsbezirke (norwegisch: birk) mit Birkenruten ab. Auch im Volksglauben spielt die Birke eine grosse Rolle. So galt sie als Lebensbaum und man glaubte Krankheiten des Menschen liessen sich auf die Zweige übertragen. Die alte Tradition des Maibaumes rührt auch von diesem Glauben her.

Die Birke – und ihr Lebensraum

Die Birke ist eher anspruchslos was den Boden und das Klima betrifft. Sie braucht aber viel Licht. Deshalb wachsen Birken nicht sehr dicht beieinander. Man findet sie vom Mittelmeerraum bis in den hohen Norden und bis auf 2000m Höhe, in der Schweiz häufiger im Tessin und im Wallis. Der Baum wird bis zu 30m hoch. Eine wichtige Rolle spielt die Birke bei einer schnellen Wiederbewaldung und beim Waldrandabschluss. Zudem bietet sie Lebensraum für viele Tiere, Pilze und Flechten. Die weisse Rinde ist auf die Substanz „Betulin“ zurückzuführen, die in der Borke enthalten ist.

Die Birke – und ihre Namen

In vielen Sprachen verdankt die Birke ihren Namen der weissen Rinde. Der sprachliche Ursprung findet sich im indogermanischen bharg und im gotischen bairths, was „glänzen“, „hellsein“ bedeutet. Daraus sind die nordischen Namen bircha, biriha, und bjork entstanden. In der Schweiz kennen wir viele Orts- und Flurnamen im Zusammenhang mit der Birke, wie z. B. Birch, Birchegg, Birchwil. Lateinisch nennt man die Hängebirke Betula pendula. Möglicherweise stammt diese Bezeichnung aus dem gallischen betu (= Harz ableiten), womit das Gewinnen des klebrigen Birkensaftes gemeint ist.

Die Birke – und ihre Verwendung

Bereits im 14. Jahrhundert wurde der Birkensaft zu Birkenwein vergoren. Druckerschwärze wurde zu Beginn vor allem aus Birkenruss hergestellt. Juchtenleder wird mit Birkenteeröl behandelt, damit es wasserundurchlässiger wird. Der eigentümliche Geruch des Birkenteeröls wird so manchem „alten“ Soldaten noch bekannt sein, da früher die Militärschuhe aus Juchtenleder hergestellt wurden.

Die Verwendung als Heilpflanze ist weit verbreitet und schon seit Jahrhunderten gebräuchlich. Flavonoide, ätherische Öle und Gerbstoffe sind in den Birkenblättern enthalten, welche auch für die harntreibende (diuretische, aquaretische) Wirkung verantwortlich sind. Eingesetzt werden Birkenblätter deshalb oft bei leichten Entzündungen der Harnwege, um eine Erhöhung der Durchspülung von Nieren und Blase zu erreichen. Nicht selten sind sie darum in Teemischungen oder anderen Präparaten gegen Blasenentzündungen zu finden. Die harntreibende Wirkung kann auch eine gute Unterstützung sein bei Nierengriess oder einer Neigung zu Nierensteinen und bei rheumatischen Beschwerden, wie z. B. Gicht. Solche Aquaretikas, wie man sie auch nennt, werden auch gerne bei Bluthochdruck als Begleittherapie eingesetzt, da durch die vermehrte Ausscheidung das Blutvolumen gesenkt wird und dadurch der Druck auf die Blutgefässe niedriger ist.

Eine solche Durchspülungstherapie eignet sich auch bei Hautproblemen und zur Entschlackung in Kombination mit leberunterstützenden Mitteln.

Der Vorteil von pflanzlichen Diuretika / Aquaretika ist, dass sie keine Kaliumverluste verursachen. Kalium ist nebst Natrium wichtig für einen ausgeglichen Wasserhaushalt im Körper. Kaliummangel kann zu Wasseransammlungen (Ödemen) im Körper führen, da der Wasserhaushalt durch ein Ungleichgewicht von Natrium und Kalium empfindlich gestört ist.

Birkenpräparate oder andere Diuretika sollten bei Ödemen, infolge einer eingeschränkten Herz- oder Nierentätigkeit nicht eingesetzt werden.

Die Birke – und Xylit

Xylit ist ein pflanzlicher Zuckeraustauschstoff welcher früher aus Birkensaft hergestellt wurde. Verwendet wird der Zuckerersatz vor allem als Süssmittel anstelle von Zucker. Da Xylit insulinunabhängig ist, kann es auch von Diabetikern verwendet werden.

In den 70er Jahren wurden an der Universität Turka in Finnland Forschungen durchgeführt, wobei man entdeckte, dass Xylit eine karieshemmende Wirkung hat. Einerseits weil Xylit die Bildung von Komplexen mit Calcium und Speicheleiweissen begünstigt, welche den Zahnschmelz remineralisieren. Zudem verhindert Xylit die Vermehrung von kariesfördernden Bakterien (Streptococcum mutans), weil diese Bakterien Xylit nicht verstoffwechseln können und zugrunde gehen. Dadurch bildet sich auch weniger Zahnbelag. In den letzten zehn Jahren wurde in dieser Hinsicht noch weiter geforscht und die Ergebnisse konnten bestätigt werden. Zur Kariesprophylaxe wird nebst der normalen Zahnreinigung empfohlen, täglich mehrmals xylithaltige Kaugummis zu verwenden oder nach dem Zähneputzen mit Xylitpulver den Mund zu spülen. Xylit erzeugt im Mund ein angenehmes Frischegefühl, ähnlich wie Menthol.

Die Birke – Einnahmemöglichkeiten

Birkenblätter können in Form von Tee, als spagyrische Essenz oder als Frischpflanzentinktur angewendet werden. Es gibt auch Birken-Presssaft aus frischen Blättern oder Birkenelixier aus den getrockneten Blättern gewonnen und Birkenextrakt in Form von Kapseln. nbk